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Absender Thema: Betrüger reiten auf Elektrosmog-Welle
ande
31.10.2005
Es gibt ja allerhand im Internet: http://www.gabriel-sc.de

Mit weniger als einem Physik-Vordiplom bewaffnet, kann man schon an der Webseite und ohne nachzufragen sehen, daß der "Gabriel-Chip" nichts als Betrug ist, schon allein weil die gemachten "technischen" Behauptungen jede reale Basis entbehren:

1. Es gibt keine rechts- oder linksdrehenden Wellen. Wellen können eine Polarisationsebene (0 bis 360 Grad) haben, aber das ist keine Unterscheidung von "rechts" und "links" wie sie z.B. in Molekülen vorkommen, (weshalb es auch die rechts- und linksdrehende Milchsäuren tatsächlich gibt).

So gibt es zwar (auch beim Licht) in einem bestimmten Winkel polarisierte Wellen, aber steht der Empfänger in einem anderen Winkel dazu, treffen die Wellen eben auch mit einem anderen Winkel auf. Man kann also mit der Polarisation den Wellen keine Eigenschaft aufprägen. So wie Licht ja auch Licht bleibt, wenn es von rechts oder von links kommt.

2. Selbst wenn ein Chip eine Welle erzeugen kann, die die ankommende "negiert" (technisch im Prinzip zu 99% möglich, siehe 4.), dann kann die überlagerte Welle die andere immer nur an einem Gitternetz von Punkten "neutralisieren", nämlich einem Interferenzmuster aus der Überlagerung der beiden Wellen.

Die dazwischenliegenden Flächen bleiben unbeeinflußt oder vielmehr wird dort an manchen Orten sogar die Gesamtwelle stärker als die zu beeinflussende Welle allein ausfallen, da sich die beiden ausgesandten Wellen schlicht addieren. Nur an wenigen Punkten im Raum addieren sie sich zu Null und löschen sich somit aus.

Flächen sind größer als Punkte, daher ist diese Idee zu 100% Unfug.

4. Mein "im Prinzip 99% möglich": Jede zurückgeworfene Welle, die von einem System erzeugt wird, hat eine kleine Zeitverzögerung. Deshalb wird es niemals möglich sein, eine Welle wirklich 1:1 "nachzuahmen", man kann dem nur etwas nahekommen, wenn man mit seinem Störsender direkt neben dem Sender steht. Der Störsender müßte dann exakt so stark sein wie der ursprüngliche (also der Sendemast), und das soll mir mal jemand mit einem kleinen Plättchen aus fast nichts vormachen.

Steht man zwischen dem "schädlichen" Sender und dem "Chip", trifft die Welle erst kurz nach der Wirkung auf den Empfänger beim Chip ein. Mal angenommen, der "Chip" hätte keine Zeitverzögerung oder Phasenverschiebung, bräuchte das wie auch immer erzeugte Signal nochmal dieselbe Zeit, bis es auch beim Empfänger einträfe, um seine "neutralisierende Wirkung" zu entfalten. Dann wäre aber schon eine ganz andere Welle dort, die Auslöschung funktioniert also nicht (bzw. nur bei stehenden Wellen. Wäre die Welle stehend, könnte sie keine Information übertragen, denn dann wäre sie immer gleichförmig).

Je höher die Frequenzen, umso kleiner die Wellenlänge. Mikrowellen sind Dezimeter- und Zentimeterwellen. Das heißt, wenn der Empfänger nur ein paar Zentimeter vom "Gabriel-Chip" entfernt ist, ist er schon nicht mehr im "neutralisierenden" Bereich, sondern eher in einem Bereich, in dem sich Wirkwelle und reflektierte Welle addieren.

(So tut sich auch niemand einen Gefallen, der seine Wohnung vor "Strahlen" "abschirmt"; sobald er oder sie nämlich den Fernseher oder ein anderes Gerät einschaltet, das Wellen aussendet, werden die Wellen von der Abschirmung gleich mehrfach nach innen reflektiert, die Summe der elektrischen Wirkung nach innen ist dann deutlich höher als ohne (reflektierende) Abschirmung.)

Die Webseite kommt raus aus der "Öko-Ecke", ist aber deshalb noch lange nicht wissenschaftlich. Angeblich wurde im Dezember eine "Doppelblind-Studie" angefangen, aber eine angefangene Studie hat Null komma Null wissenschaftliche Relevanz. Von "wissenschaftlich" kann man frühestens dann reden, wenn die Studie und die Ergebnisse (!) veröffentlicht wurden, sodaß andere Wissenschaftler die Ergebnisse nach dem "Kochrezept" der ersten Studie im eigenen Labor nachvollziehen können. Erst wenn die zweiten und dritten Wissenschaftler oder -gruppen die Aussagen der Studie nachvollziehen können und bestätigen, beginnt allmählich die Aura einer Wissenschaftlichkeit und so war das selbst bei der Entdeckung der Elektrizität, es dauerte immer, bis man glaubte, was man sah (man kann sagen: Jahrhunderte!). Und das ist auch gut so.

Erstaunlich ist nur, wie verkommen unsere naturwissenschaftliche Grundbildung ist, daß sich das verkauft.

Insofern ist das Geld an die Firma wohl als "Dummheitssteuer" zu bezeichnen.
 

Stand: 10.09.2010, 22:25:26 Uhr (35 ms)