Elektroplanung für die nächsten 100 Jahre
Wer heute ein Haus baut, möchte es für die kommenden hundert Jahre bauen. Dabei muß natürlich auch die Kommunikationstechnik gut bedacht sein: Telefon und Fernsehen sind mittlerweile selbstverständlich. Wie sieht es aber mit dem Fernsehen in der Zukunft aus? Radio, Telefonieren, Faxen, Mail… wird alles ins Internet hinein verlagert?
Die klare Antwort dazu lautet: Ja. Es werden sogar mehr und mehr Haustechnikfunktionen ins Internet verlegt werden: Noch bevor es dazu kommt daß der Kühlschrank selbst Bier nachbestellt, wird die Heizung mit dem Installateur reden können. Anstatt auf eine bestimmte Fernsehsendung zu warten, wird man sie bei Bedarf, nach Lust und Laune, abrufen, und vielleicht ohne Werbeblöcke. Aber vielleicht wird man pro Abruf zahlen müssen.
Das Große Ganze
Das Internet wird früher oder später, aber spätestens in 10 Jahren alle bisher getrennten Dienste in sich vereinen. Es ist nur noch die Frage, ob das Netz der Zukunft per Draht, Glasfaser oder Funk ins Haus kommt. Natürlich werden bestehende Techniken wie Fax, analoges Telefon, Nebenkostenabrechnung durch Ablesen von Hand usw. noch lange weiterbestehen, aber zunehmend mit den Nachteilen von technischen Inseln.
Die Verlegung von Glasfaser in jedes Haus wäre ein ähnlicher Aufwand wie in den 80ern das Kabelfernsehen war – fast eine Investitionsruine. Es kann sein, daß Glasfaserkabel ganz allmählich der Standard wird, aber man wird solange wie möglich das Graben vermeiden und die heute gültigen Leitungen – die Telefon- Kupferader oder das Breitbandkabel – für die letzten Kilometer ins Haus nutzen.
Alles über Funk?
Vor allem das Fernsehen über Internet – und dann noch auf Abruf – wird den Transport von riesigen Datenmengen erforderlich machen. Eine naheliegende Idee wäre, den “Äther” – also Funkwellen – für den Transport zu nutzen. Wir hätten die Vorteile:
- kein Verkabeln, kein Graben.
- Kaum indivuell zu wartende und zu konfigurierenden Geräte.
- Überall und jederzeit nutzbar
und die Nachteile:
- Mehr und mehr Elektrosmog, wogegen sich mehr und mehr Menschen (mit oder ohne wissenschaftliche Untermauerung) stellen.
- Anfälligkeit gegen Funkstörungen (und das ist fast ein KO-Kriterium)
- Relative Unsicherheit gegen Abhören und andere Angriffe
- Die Riesendatenmengen lassen sich nur schwer gesteuert überallhin bringen
- Das “überall” ist eine Übertreibung, vieles funktioniert doch nicht, vor allem bei Stahl und Stahlbeton.
Die Nachteile haben einen so hohen Ärgerfaktor, daß sich, wer es sich leisten kann, ein Kabel legen wird. Und über die Kostenaufteilung bei mehreren Nutzern einer Internet-Breitbandanschlusses (wie DSL) werden auch relativ hohe Verkabelungskosten innerhalb weniger Jahre wieder eingespielt.
Ich wage daher die Prognose:
- daß das Telefonieren über Funk zwar noch etwas zunehmen wird, ebenso wie die mobile Datennutzung
- daß aber das störunanfällige Internet und Fernsehen für den Endkunden in der Wohnung kabelgebunden bleiben wird.
- Das Fernsehen wird sich erst langsam vom Satelliten und Fernsehkabel lösen.
- Satelliten werden nicht rückkanalfähig werden.
Die klassische Kupferdoppelader und / oder das Breitbandkabel – oft in Konkurrenz – werden noch lange genutzt werden. Es durch Funk zu ersetzen wird nur in manchen Fällen die beste Lösung sein, vor allem im Altbau. Daher benötigen wir auch innerhalb des Hauses Kabelverbindungen in die Wohnungen, besser noch: in die einzelnen Zimmer: Ein klassiches lokales LAN: Local Area Network. “Ethernet” ist die Technik mit normalen Kuperdoppeladern, die noch lange Bestand haben wird.
Angesichts der zukünftigen Integration wäre die Idee naheliegend, nur noch eine Sorte Kabel zur Verteilung im Haus zu nutzen. Heute, 2006, ist aber die Fernsehtechnik noch nicht so weit, daß man Geräte kaufen kann, die Fernsehen allein über Internet abwickeln. Man kann aber sehr wohl Telefon, Fax und Internet mit einem Kabel “erschlagen”.
Ein Kabel für alle Fälle
Heute plane ich daher wie folgt:
Fürs Fernsehen wird nach wie vor eine Satellitenschüssel – Gemeinschaftsanlage aufs Dach geplant. Aufgrund der hohen monatlichen Gebühren für den Breitbandkabelanschluß rechnet sich eine Satelliten-Mehrteilnehmeranlage selbst dann, wenn die Kabelgesellschaften – wie oft üblich – auf den einmaligen Anschlußpreis verzichten oder fast verzichten. Die Option Kabelfernsehen sollte – wenn vorhanden – aber offen gelassen werden, denn vielleicht wird das Breitbandkabel in Kürze attraktiv.
Heute schon aufs Fernsehen über Internet zu setzen hieße leider noch ruckelige Bilder, hohe Kosten, eine kleine Bildfläche in Kauf zu nehmen. Zudem haben wir noch nicht die richtigen Geräte auf dem Markt.
Um eine Satellitenanlage kommen wir heute, 2006, noch nicht herum. Wir sollten jedoch die Antennenkabel in Leerrohren verlegen, um später ein Netzwerkkabel anstelle des Antennenkabels einziehen zu können.
Wo klingelt es morgen?
Benötigen wir ISDN? Benötigen wir Fax? Macht das Telefonieren über Internet Sinn?
ISDN steht heute – obwohl vor 25 Jahren ein technischer Fortschritt – für “Ist Sowas Denn Nötig”. Die Internetnutzung über ISDN – früher ein gutes Argument – ist längst von der Leistungsfähigkeit und dem günstigen Preis von DSL (“Die Schnelle Leitung”) abgehängt worden. Auch die Anzeige der Rufnummer des Anrufers und viele andere sogenannte Komfortfunktionen wie Makeln, Konferenzschaltung usw. lassen sich sowohl mit analogen Telefonen, als auch über Internet und Handy nutzen. Einen ISDN-Anschluß nimmt man heute nur noch, weil zwei Leitungen, drei bis zehn Rufnummern pro Monat einfach billiger sind als zwei herkömmliche, sprich analoge Telefonanschlüsse. Da man aber bei Vorhandensein von DSL nicht mehr eine der beiden “Nutzkanäle” des ISDN belegt, weil man quasi eine dritte Leitung nur fürs Internet hat, braucht man vielerorts außer dem Internet nur noch ein normales Telefon. Warum nicht dieses Telefon auch gleich ins Internet verlagern?
Dagegen spricht:
- Der einzelne Nutzer kann heute, 2006, noch keinen reinen DSL-Anschluß ohne analogen oder ISDN-Anschluß kaufen. Er hat also da keinen Kostenvorteil. (Etwas anderes ergibt sich bei einem ganzen Haus!)
- Heute kommen die ersten Telefonanbieter über Internet gerade erst aus den Startlöchern. Man muß noch mit Kinderkrankheiten und einer großen Variation der Angebote rechnen.
- Man benötigt anfänglich mehr Beratung, d.h. die “Vereinfachung der Kommunikation” wird erst mal komplizierter.
- Zu den Kinderkrankheiten gehört, daß man eventuell seine Rufnummer nicht behalten kann…
- Die Tonqualität ist im Moment noch durschnittlich etwas schlechter als beim ausgereiften und technisch aufwendigen ISDN.
Aber es gibt auch Vorteile:
- Die Grundgebühren fürs Internet-Telefonieren sinken gegen Null, was beim stolzen Preis von fast 16 EUR monatlich für einen einfachen analogen Telefonanschluß bei der Telekom und 23,60 EUR für einen ISDN-Anschluß ein starkes Argument ist.
- Auch die Gesprächskosten sind fast durchweg günstiger selbst als beim Nutzen anderer Gesellschaften (call-by-call) im herkömmlichen Telefonnetz.
- Sprachnachrichten vom Anrufer können auch per Mail weitergeleitet werden, der Stromverbrauch dafür im Haus und die Wartung entfällt.
- Es können auch zwei Telefone unter derselben Nummer klingeln, nebenbei an ganz verschiedenen Orten in der ganzen Welt.
- Es wird bald möglich sein, daß man mit einem Telefongerät (eine neue Version des Handy) und einer Nummer zuhause und überall telefoniert und erreichbar ist, mit Preisen deutlich unter den heutigen Mobilfunkpreisen.
Meine Empfehlung:
Das Netzwerk im Haus
Mit dem – sehr guten – aber völlig handelsüblichen Netzwerkkabel wird bereits heute sowohl eine sehr leistungsfähige Internetverbindung möglich, es ist sogar möglich – für eine Übergangszeit oder bei besonderen Anforderungen – das gute alte Telefon oder sogar ISDN über dasselbe Kabel zu leiten. Das Netzwerkkabel im Haus ermöglicht bereits heute Internet-Geschwindigkeiten, die noch zehnmal höher liegen als der schnellste Breitbandanschluß der heute erst beworben wird. Soviele Augen und Ohren hat der Mensch auch in der Zukunft nicht, um ein solches Kabel voll auszunutzen.
Man spart sich also den Bau zweier Netze im Haus: Telefon und Internet.
Um nicht gleich wieder an Grenzen zu stoßen und um alle heute sinnvollen Möglichkeiten offen zu halten, werden Doppel-Ethernetkabel verlegt, und Doppel-Netzwerkdosen der “Kategorie 5 (CAT 5)”. So kann man an jeder Dose entweder einen oder zwei PCs betreiben, oder sogar ein oder zwei herkömmliche Telefone und ein PC (oder Mac!) – oder sogar einen ISDN-Anschluß und einen PC. Benötigt man mehr PCs zusätzlich, kann man die Zahl der versorgten PCs in einem Zimmer mit einem “Switch” beliebig erhöhen. Ein Switch funktioniert wie eine Mehrfachsteckdose: Viele PCs können an ein Kabel angeschlossen werden, ohne sich zu stören. Ein kleiner Nachteil eines Switches ist, daß er Standby-Strom verbraucht und evtl. Wartungsaufwand erzeugt, man versucht das also erst mal zu vermeiden.
(Es wäre als Sparmaßnahme auch möglich, mit einem einzigen Ethernetkabel zwei Computer anzuschließen, das hätte aber zur Folge daß man für den Anschluß herkömmlicher Telefone wieder speziell verdrahtete Adapterstecker bräuchte, was die Sache wieder komplizierter macht. Der Aufpreis fürs doppelte Kabel ist dagegen nur ca. 30 EUR pro Dose, also verschmerzbar.)
Der Gesamtaufwand einer solchen Netzwerkverkabelung liegt ungefähr bei 150 bis 170 EUR pro Doppeldose, gegenüber 100 EUR bei einer reinen Telefondose, die aber viel weniger kann.
Zumal die relativ hohen Einstandskosten durch Bündelung der Internetnutzung im Haus schnell wieder eingespielt werden!
Aufgabe des Elektroplaners ist außer der grundsätzlichen Information und Beratung nur das Planen der Leitungen. Was mit den Leitungen geschieht, entscheiden die Nutzer, allen voran die Wohnungseigentümer.
Die Nutzung nach der Planung
Folgende Szenarien sind möglich:
A: Die “klassische” Variante:
Obwohl alle Netzwerkleitungen der Zimmer aller Wohnungen in einem zentralen Schaltschrank im Keller enden, haben alle Wohnungen dort ihre getrennten Infrastrukturen aufgebaut: Eigenen Telefonansschluß, ggfs. eigene Telefonanlage und auch eigenen DSL-Anschluß oder eben keinen – ist technisch möglich. Dies ist eigentlich nur für den Fall nötig, daß sich die WEG nicht einig ist und / oder einzelne aus dem Verbund ausscheren: Es ist immerhin möglich. Die Planung erzwingt keine gemeinsame Nutzung, sie ermöglicht sie nur.
B: Die “Internet gemeinsam / Telefon getrennt” – Variante:
Die Hausgemeinschaft oder ein ernannter Administrator – kann auch ein externer Dienstleister sein – erstellt einen DSL- oder anderen Internetanschluß und ermöglicht allen Wohnungen die Aufschaltung. das spart monatlich soviel Kosten, daß man sich dafür locker den Aufwand der Rechnungsaufteilung (übrigens ähnlich wie beim Wasser, Heizung, Hausmeister…) und einen Bereitschaftsdienst, Hilfe bei der Konfiguration usw. – bezahlen kann. Bei vernünftiger Nutzung (keine Tauschbörsen, Nutzung im Rahmen des Üblichen) können nach meiner langjährigen Erfahrung bis zu 50 PCs (!!) eine einzige DSL-Leitung nutzen. Statistisch sind eben zu jeder zeit des Tages nur wenige Menschen im Internet unterwegs, und dann nur kurz, und selbst wenn, kommen die Datenpakete immer noch locker aneinander vorbei.
Bezüglich Telefon bleibt alles beim Alten: Jeder hat seinen Telefonanschluß, ob analog oder ISDN und eine eigene Telefonanlage oder eben auch keine.
Es ist naheliegend, auch die Telefonnutzung zusammenzufassen: Ein ISDN- Anschluß nach draußen bedeutet bis zu zehn Rufnummern, also auch Telefone, die man z.B. auf zehn Wohnungen verteilen kann. In diesem Extremfall (zehn Wohnungen auf einer ISDN-Leitung mit nur zwei möglichen Gesprächen gleichzeitig) stößt man allerdings zu schnell an die Kapazitätsgrenzen: Zu oft sind beide Leitungen belegt.
Zwei Fälle machen mehr Sinn:
Variante C:
Weniger Nutzer als zehn Wohnungen teilen sich einen ISDN-Anschluß und eine Anlage. Eventuell braucht man in einem Zehnfamilienhaus dann zwei oder drei ISDN-Anlagen, hat aber immer noch einen deutlichen Spareffekt, denn die Grundgebühr von 23,40 EUR verteilt sich dann auf drei oder fünf Schultern. Natürlich müssen auch hier die Kosten auf die Nutzer aufgeteilt werden, und das ist nicht ganz so einfach wie beim Internet! Die Telekom teilt auf Wunsch die Kosten pro Nummer kostenlos auf, bucht aber dennoch von einem Konto ein, und es liegt am Anschußinhaber, das geld von seinen Nachbarn wiederzubekommen.
Da aber auch hier die Einsparung über die Aufteilung der monatlichen Grundgebühr beträchtlich ist, kann man die Abrechnungsdienstleistung bezahlen bzw. sie von einem externen Dienstleister machen lassen. Hat man einen Dienstleister der sich auskennt und eine geeignete Telefonanlage, kann auch automatisch immer die billigste Telefongesellschaft vorgewählt werden (“Least-Cost-Routing”), das Nachschauen in komplizierten Listen entfällt.
Variante D: Wie C, aber mit ISDN-Anlagenanschluß
Eigentlich wäre auch die Lösung möglich, eine Durchwahl-Telefonanlage zu installieren.
Leider sind die monatlichen Kosten zum Beispiel von zwei ISDN-Anlagenanschlüssen wieder so hoch, daß mindestens 25 Nebenstellen zusammenkommen müssen, um die Rechnung wirtschaftlich zu machen. Das größte K.O.-Argument für diese Variante ist leider: Man bekommt keine kostenlosen unabhängigen Telefobucheinträge mehr. So sichert sich die telekom auch heute noch ihr Monopol. Und bestehende Rufnummern können weder übernommen, noch später ausgegliedert werden. Angesichts des immer attraktiven VoIP-Marktes eine nicht empfehlenswerte Variante.
Es sollte auf jeden Fall auch die Option diskutiert werden, ob und von wem Telefonieren über Internet (Voice over IP) genutzt werden kann. Dazu muß aber eine ausführliche Beratung unter Berücksichtigung der individuellen Anforderungen und Voraussetzungen jedes einzelnen Haushaltes erfolgen. Dies ist nicht seriös allein mit einem Text zu leisten, dafür ist der Markt und die Technik für Laien heute noch zu unübersichtlich.
Mein Fazit
Welche Variante optimal ist, hängt ganz von einem klärenden Dialog der Beteiligten und von der ganz speziellen Ausgangssituation ab. Ich empfehle die Variante B oder C, eventuell mit VoIP-Optionen.
Dabei kann sich entweder eine Person der Bauherrengemeinschaft um die Pflege / Einrichtung / Abrechnung / Wartung der Anlage kümmern oder ein externer Dienstleister.
Weiter mit Einrichtung von Netzwerken und Telefonanlagen
Andreas Delleske am 18. Juni 2008, 11:16





