Passivhaus verbraucht mehr als 15 kWh/qm

Gerade erreicht mich die folgende Frage:

Immer wieder lese ich die Angabe von 15kWh pro qm und Jahr bei einem Passivhaus. Wir haben in einer Baugruppe ein Passivhaus erstellt und leben zu dritt in ca. 110qm. Letztes Jahr war unser Verbrauch über 7000 kWh incl. Strom und Warmwasser.

Sie müssen bitte den Stromverbrauch im Haus und den Energieverbrauch des Warmwassers und Heizung komplett getrennt betrachten. Nach den gängigen Definitionen beziehen sich die 15 kWh/qm auf die Eigenschaft des Hauses, also den Nutzenergiebedarf des Hauses allein für die Heizung. Der Warmwasser-Wärmebedarf ist dagegen fast allein davon abhängig, wie oft Sie duschen oder baden (sprich: Wieviele Personen in Ihrer Wohnung leben).

Wie oft Sie im Haus duschen, wieviel und welche elektrische Verbraucher Sie haben und wie Sie die 15kWh/qm bereitstellen ist für die Frage, ob wir ein Passivhaus vorliegen haben oder nicht nicht relevant.

Wir haben für das Warmwasser auch eine Solaranlage. Auch die anderen Baugruppenteilnehmer, insbesondere der unter uns hat deutlich mehr Verbrauch. Unser Privatstromverbrauch lag in der alten Wohnung bei 2000 kWh pro Jahr. So kämen wir auf einen Heizbedarf von mindestens 45 kWh pro Quadratmeter und Jahr

Entschuldigung, es stimmt zwar daß der Stromverbrauch “unfreiwillig” zur Heizung beiträgt, aber das dürfen Sie nicht dem Haus anlasten.

Sehr wahrscheinlich hat Ihr Nachbar sogenannte Deckenfluter zur Beleuchtung, die er mehrere Stunden pro Tag eingeschaltet läßt. Das ist jedenfalls der mit Abstand stärkste Grund für extreme Stromverbräuche, wie ich aus meiner Erfahrung aus mehrjähriger Energieberatung weiß.

(Zimmertemperatur max. 20 Grad) Wir sind uns nun nicht im Klaren, ob unser Passivhaus fehlerhaft ist, die generellen Angaben überzogen sind oder die Aerex Anlage fehlerhaft.

Vermutllich trifft nichts davon zu. Welches ist denn die Wärmequelle für die Heizung?

Haben Sie da Erkenntnisse oder von ähnlichen Problemen schon mal gehört? Wir sind vom Passivhaus irgendwie enttäuscht!

Ich vermute, daß Sie die verschiedenen Energieverbrauchsarten durcheinander rechnen, mit Verlaub. Da ein Architekt oder Bauträger keinen Einfluß auf die Wahl Ihrer elektrischen Haushaltsausstattung hat, kann er in diesem Bereich auch keine Versprechungen machen.

Hinzu kommen immer noch die unvermeidlichen Verluste bei Bereitstellung der Wärme im Haus – Sie stehen also – ohne Ihr Haus und die Nutzung zu kennen – vermutlich nicht so schlecht da.

Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß man auch in Ihrem Haus noch Details verbessern könnte oder Fehler vorliegen, dazu müßte man sichs genauer ansehen, auch den realen Stromverbrauch und der Betrieb der Lüftungsanlage, die Heizungspumpen usw.

Alte Kühlschränke verbrauchen gerne mal das Fünffache eines modernen Effizienzklasse A- Gerätes, die Standbygeräte zusammen auch gerne soviel wie ein Kühlschrank.

Beleuchtung sollte man wo immer möglich mit Energiesparlampen und Leuchtstofflampen realisieren. Ich weiß, man ist eventuell eine Weile unterwegs bis man schöne Leuchten und eine angenehme Lichtfarbe findet. Letzteres ist aber eigentlich heute kein Problem mehr.

Ich hoffe, das gibt Ihnen vielleicht schon eine Orientierung, sonst fragen Sie ruhig weiter…

Wir haben in unserem Haus von 13 bis 20 kWh/qm für Heizung gehabt in den letzten Jahren, plus allerdings – unvermeidlich – nochmal soviel für Warmwasser plus 10 kWh/qm für die Verluste. Alles nur Wärme gerechnet.

Was sagt Ihr Haustechnik-Planungsbüro dazu? Die Kollegen sollten zuerst in der Lage sein, Ihnen da weiterzuhelfen.


Andreas Delleske am 1. Februar 2007, 19:02

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu dieser Seite:


  1. von: Frank Müller am: 25. Februar 2007, 11:59 - Permalink

  2. von: Wolfgang Feist am: 10. Mai 2007, 00:18 - Permalink
 

Testbetrieb der von
Stefan Auchter und mir entwickelten, neuen Schliessanlage im Haus 037