Testbericht: Netzwerkfestplatte DNS-323 von D-Link
Es ist mittlerweile die dritte Netzwerkfestplatte, die ich hier teste. Im Vergleich zum jetzt getesteten Gerät “DNS-323” von D-Link taugen aber die beiden anderen nix, auch wenn eine FNS-1000 bei mir noch im Einsatz ist.
Insgesamit gibt es drei Versionen der Kiste: Mit einer, zwei oder bis zu 4 Festplatten drin.
Hier die Supportseite von D-Link und ein recht gutes (wenn auch mit nervigen Popups verschandeltes) Hilfeforum in dem nette und kompetente Leute unterwegs sind, sehr wahrscheinlich zum Teil Mitarbeiter von D-Link! Das hat man eher selten.
Preise? Die DNS-323 kostet im Moment (natürlich noch ohne Platten!) ca. 160 EUR brutto
Plus zwei Terabyte-Festplatten (S-ATA 3,5”), bei mir Western-Digital 10EACS also unter 350 EUR. Einbauzeit: 15 Minuten? Dann brauchts natürlich etwas mehr Zeit bis alles formatiert und eingerichtet ist.
Testergebnis: Superklasse.
Aber im einzelnen:
Gehäuse
Sehr solide und klein, aus schwarz eloxiertem Aluminium. Nur etwas größer als drei Festplatten in einem Stapel nebeneinander aufrecht. Die beiden Festplatten lassen sich komplett ohne Werkzeug aus- und einbauen. Das Gerät läßt sich auch genausogut mit nur einer Platte betreiben, vielleicht will man erst später ausbauen. Normale IDE-Platten funktionieren natürlich nicht, aber ich habe den Verdacht allein für das Anschlußkabel wär in der Kiste kein Platz.
Das Gerät hat einen eingebauten Lüfter, der zwar immer läuft, aber sehr leise ist und je nach Temperatur geregelt wird! Wer sich mit Linux etwas anfreunden möchte, kann auch die Steuerung des Lüfters selbst übernehmen. Grundsätzlich nehmen es Festplatten aber übel, wenn sie ständig über 40 Grad oder mehr ertragen müssen.
Allerdings: Die Festplatten werden automatisch bei Nichtgebrauch heruntergefahren! Superklasse, spart also auch Strom. Der Stromverbrauch ist: ** Watt bei ruhenden Platten, ** Watt bei einer, ** Watt bei zwei laufenden Platten.
Hardware
Drin werkelt ein One-Chip-Controller mit Linux! Davon muß man sich aber nicht beeindrucken lassen, mann kann das Gerät ganz normal mit jedem Browser betreiben ohne jede Ahnung von Linux. Der Chip hat 500 MHz, dürfte also schnell genug sein um alle Transfers performant auszuführen. Das Gerät hat zudem eine Gigabit-Netzwerkschnittstelle, da ich bisher kein Gigabit-Equipment hatte, konnte ich das bisher nicht austesten. Kommt aber in Kürze.
Transferleistung
Die Transferleistung von einem Mac (OS X) zu der Kiste in einem 100 Mbit-Netz liegt jedenfalls beim Schreiben maximal bei 8 MByte/Sekunde. Kann sein ich habe nicht den schnellsten Switch. Ich kann damit leben.
Sehr oft ist die Schreibleistung allerdings leider sehr viel niedriger, bei einer Menge kleiner Dateien auf jeden Fall. Kann vielleicht daranliegen, daß das Mac OS X für jede Datei die man auf dem Mac sieht, zwei auf der Serverplatte anlegt.
Auspacken-einschalten-Geht!
Oft sind es die Details, die den Unterschied machen: Ich nutze das Gerät von einem Mac aus und habe keine Lust, irgendeine Software zu installieren. Ich verlange also, daß sich das Gerät beim ersten Anschließen ans LAN per DHCP selbst eine IP-Adresse holt, über die ich es ansprechen kann. Und so ist es auch: Das Gerät meldet sich sogar bei meiner Fritzbox mit “dlink-96DBBC” (String etwas geändert). Und schon bin ich drauf.
Das Ding kam mit der Firmware 1.04, ich habe es erst mal ohne Probleme auf 1.05 aktualisiert.
Webinterface
Zusammenfassung: Es funktioniert gut, ist aber unlogisch aufgebaut.
Man kann damit
- eine feste IP-Adresse festlegen.
- automatisches Uhrzeit stellen per NTP einschalten
- die Festplatten formatieren! Es wird intern das Dateisystem “ext2” eingerichtet. Leider ist die Formatierfunktion nicht besonders vor nochmaligem versehentlichen Ausführen geschützt!
- einen iTunes-Serverdienst einrichten
- Benutzer und Gruppen einrichten und einzelne Freigaben, natürlich auch den gewünschten Arbeitsgruppenname
- sogar Quotas für die Benutzer oder Gruppen einrichten!
- die Gesamtbelegung ansehen
- die Temperatur im Gerät auslesen!
- sich sogar täglich Mails zuschicken lassen, die z.B. Belegung oder eventuelle Probleme anzeigen
- einen FTP-Serverdienst einrichten. Allerdings muß man wissen, daß bei FTP alles unverschlüsselt über den Draht geht und man darf das Protokoll als veraltet bezeichnen. Anscheinend kommt das Gerät aber sogar mit Umlauten im Dateinamen zurecht! Muß ich aber noch genauer ansehen und testen.
- Das Ding “beherrscht” auch UPnP, was mir egal ist, brauche ich nciht, kann ich daher auch nicht testen.
- Bei Bedarf fungiert das Gerät auch selbst als DHCP-Server, kann also bei Abwesenheit eines Routers auch selbst neue Geräte ins Netz integrieren.
- Nutze ich nicht, aber: Man kann auch BitTorrent drauf nutzen
- Dynamic DNS geht auch (Sprich: Man bohrt ein Löchlein in die Firewall seines Routers, damit man von außen auf den Server zugreifen kann. Damit man weiß, wie die vom DSL-Anbieter verliehene IP-Adresse nun wieder heißt meldet man sich z.B. bei einem kostenlosen Anbieter wie dyndns.org an. Mach richtet bei denen und auf seiner Maschine dann die Adresse ein, und schon kommt man per blalaber.dyndns.org auf seinen Rechner. Aber Achtung! Nicht per Windows-Netzwerk, nur FTP. Und auch da gibt es grundsätzliche Sicherheitserwägungen, die an dieser Stelle zu weit führen würden.
- Wer will, kann die beiden Platten auch in einem RAID-1 – Verbund betreiben, die dazu nötigen Formatierungen und Einrichtungen beherrscht das gert von Haus aus. Nutze ich nicht.
- Das Gerät bietet auch einen USB-Anschluß für eine weitere Festoplatte (!) oder / und ist als
- Druckserver zu benutzen!
Das Beste dran: Linux
Abgesehen von meiner oben zu lesenden Begeisterung kommt der Hauptnutzen für mich aus der Tatsache, daß innen ein abgespecktes Linux werkelt. Da Linux bedeutet, daß man die Software offenlegen muß, kommt man mit minimalem Aufwand in die Box rein! Mehr dazu hier
Hier so gut wie alle “facts”.
Allerdings: Hier sollten nur Leute rumfummeln die mit Linux vertraut sind, denn auf der Ebene des Betriebssystems im Gerät kann man natürlich alles falsch machen, und sei es daß man kein Passwort setzt.
Was noch alles möglich ist:
- Einen kompletten Webserver (lighthttp) installieren, samt PHP und MySQL. Eigentlich ist der Arbeitsspeicher des Geräts zu klein (64 MByte) für einen anständigen MySQL-Server, aber wer nur kleine Datenbanken realisiert dürfte hier glücklich werden.
- Einen NTP-Server aufsetzen
- Mit “rsync -av —delete” und “cp -al” vollautomatische, super elegante Backups anlegen, zum Beispiel von einer Platte zur anderen oder sogar gut verschlüsselt übers Internet!
- Muss ich noch erwähnen daß dank Linux auch verschlüsselter Zugriff per SSH möglich ist?
- Subversion läßt sich auch draf installieren, wie eien Vielzahl anderer Linux-Standardpakete!
- Teile des Systems (zum Beispiel diese Erweiterung namens fun_plug) können auch auf einen USB-Stick ausgelagert werden, ebenso wie Logdateien, was zur Folge haben kann daß die Festplatten nur noch bei wirklichem Bedarf durch Nutzer angeworfen werden müssen!
- Andere Geräte per USB ansprechen, wie Webcam?!?
Der Hammer, oder?
Mehr in Kürze hier.
Bugs und Zicken
Vorab: Nur kleine bisher.
- Es hakelt ein bißchen mit dem Einstellen des automatischen Uhrzeitstellens. Zudem passiert Folgendes: Schiebe ich ein Verzeichnis auf das Gerät, wird der Ordner zuerst mit einer oder zwei Stunden älterem Datum angelegt! Nach ein paar Minuten korrigiet sich das allerdings. Wurde schon an D-Link gemeldet und dort mit Interese aufgenommen! Ich denke da bekommen wir einen Fix mit der nächsten Firmwareversion.
- Ein Benutzer kann in nur einer Gruppe Mitglied sein. Sich überschneidende Gruppen funktionieren leider nicht. Man könnte aber über den Zugang per SSH die Samba-Datei (Windows-Fileserver) selbst von Hand ändern und hoffen, daß die Firmware dadurch nicht Schkuckauf bekommt. Muß ich noch testen.
- Beim Zugriff per SSH kann man auch als Nicht-Root ins Rootverzeichnis reinsehen! Ich weiß aber nicht wie man das abstellen könnte, muß mal nachfragen.
Andreas Delleske am 19. Oktober 2008, 21:27