Jeder konnte wissen, daß das Geldsystem zusammenbrechen muß
In der Schule und vielleicht schon vorher bekommen wir erklärt, dass Geld ein Tauschmittel ist. Das stimmt, so ist es gedacht und es erfüllt diesen Zweck sehr gut. Geld ist aber leider viel mehr.
Wenn alle Menschen Waren tauschen und Arbeiten verrichten, die für andere Menschen irgendwie nützlich sind, müßte die gesamte Geldmenge ständig und “mit mäßiger Unwucht” zwischen den Menschen umlaufen. Wer viel arbeitet und wenig konsumiert, bei dem bleibt mehr Geld eine längere Zeit, wer wenig arbeitet und viel konsumiert, vor dem rennt das Geld fort. Zuviel Konsum wird durch die Knappheit des Geldes automatisch gebremst: zuviel Konsum Einzelner ist ein Problem für die Ressourcen der Welt – vielleicht reichen die Kräfte der Menschheit insgesamt nicht dazu, mehr herzustellen, als was wir zu einem halbwegs entspannten oder auch nur gesunden Leben benötigen? Wer will nachrechnen, wieviel Arbeit ein Leben in relativem Wohlstand für die ganze Welt kostet?
Auch aus anderen Gründen ist es kein Fehler, daß Geld eigentlich immer etwas knapp ist: Somit lernen wir zu haushalten, also: Abläufe zu optimieren, uns mehr an kostenlosen Dingen zu freuen und zu sparen – denn jeder von uns wird eine Zeit erleben, in der alles schwerer geht und in Zeiten von Krankheit, Pech und Alter würde das Gald nur noch von und weglaufen. Damit dies nicht so sehr geschieht, gibt es – zum Glück – ein soziales Sicherungssystem und eine Krankenversicherung.
Jeder von uns muß sich also in seiner leistungsfähigen Zeit darauf einstellen, mehr zu arbeiten als er zum Leben braucht: Als Kind braucht jeder die Hilfe der Gesellschaft (Ausbildung), als Rentner und Kranker die Solidarität unter den Menschen. Dafür gibt es nicht nur die Krankenversicherung, sondern auch Steuern und den Staat, der uns such vor Übergriffen schützen soll und durch den Rechtsstaat möglichst viel Fairness und Chancengleichheit herstellen soll. Vielleicht soll der Staat sogar Autobahnen bauen und Gleise verlegen, denn wo immer sich ein “natürliches Monopol” ergibt hat man in der Vergangenheit festgestellt daß es mißbraucht wird: Im Fürstentum bereicherte sich jeder Fürst an den Durchreisenden – meist ohne jegliche Gegenleistung. Energiekartelle können sich ungebremst am Geld der Gesellschaft bedienen, denn das Haus braucht Wärme und Strom – koste es was es wolle.
Im Bereich des Handels und der Herstellung von Waren ist es schon schwieriger sich über Gebühr zu bereichern – das regelt der Wettbewerb, wenn er auf faire Marktregeln stößt.
Alles Geld müßte also ständig und recht gleichmäßig zwischen den Menschen umlaufen. Anstatt den privaten Sparstrumpf zu füllen, spart man das Geld für die Rente auf einer Bank oder läßt den Staat die Rentenversicherung übernehmen.
Das erste Mal bin ich massiv stutzig geworden als ich gehört hatte, daß die Rentenkasse nur soviel Inhalt hat, daß sie in drei Monaten komplett leer wäre, wenn die Einzahlungen ab heute ausbleiben würden: Das suggerierte Bild (“Die Rente ist sicher”), der Anspruch (“Da liegt mein angespartes Geld für meine Zeit der Bedürftigkeit”) klaffen weit auseinander.
Wie konnte es dazu kommen?
Nach dem zweiten Weltkrieg begann die große Mehrheit der Bevölkerung mit nichts in den Taschen, genauer gesagt mit 50 Mark – und dennoch spricht man über die 20 folgenden Jahre von dem Wirtschaftswunder! In dieser Zeit hat die sogenannte Wirtschaft prächtig funktioniert – nicht zuletzt mit der Hilfe von Einwanderern wurde aufgebaut – es sah ganz danach aus als wäre der Mensch in der Lage mehr zu schaffen als für den unmittelbaren Lebenserhalt, als ginge die Rechnung auf. Ergebnis des Wirtschaftswunders hätten also gefüllte Renten- und Sozialkassen sein müssen.
Wir kommt es dann daß Bundesarbeitsminister Norbert Blüm mit seinem berühmten Ausspruch “Die Rente ist sicher” Miit der Achtziger ausgerechnet darauf hinwiesen mußte, daß das Gegenteil der Fall ist?
Wo ist das Geld, das heute in der Rentenkasse sein müsste?
Bevor wir diese Frage beantworten, noch eine andere Beobachtung: Wenn alle Menschen (bis auf chronisch Kranke, psychisch Kranke und andere hilfebedürftige Menschen) normal arbeiten, sollte der Reichtum recht gleich unter uns verteilt sein und verteilt bleiben: Ein besonders fleißiger Mensch würde natürlich mehr anhäufen können als ein Mensch dem viel Muße wichtig ist, aber seine Erben spätestens sind oft nicht so klug oder arbeitsam und würden es wieder ausgeben. Und wenn die Erben doch genauso klug oder fleißig sind, warum sollen sie nicht mehr Geld haben dürfen als die Mehrheit? Wir vertrauen darauf, daß Menschen mit ehr Geld das auch wieder für sinvolle Tätigkeiten ausgeben, wie weitere Maschinen zu kaufen, wenn sie eine gute Profuktidee haben die allen Menschen nützt. Mit demselben Marktmechanismus, der die Faulen nicht belohnt wird Fleiß und Klugheit belohnt und da wir alle erfahren haben daß sinnvolle Arbeit Spaß macht, vertrauen wir daß ein reicher Mensch das Geld zum Nutzen aller “anlegen” wird. Ein wohlhabender Firmenchef darf auch mal mehr Geld bei sich versammeln als der Durchschnitt, denn er oder sie geht unter Umständen auch ein großes Risiko ein: Aus manchmal unwägbaren Gründen kommen seine Produkte nicht mehr an, er wird vom Wettbewerber bedrängt oder die Technik ändert sich – Maschinen veralten und so weiter.
Der Kapitalismus ist bis hier betrachtet ein ganz gut und selbstgesteuertes funktionierendes Modell – wenn man sicherstellt daß die sozialen Funktionen durch Staat und Versicherungen ausgefüllt werden, denn da es den Kapitalismus im Sinne einer Geldwirtschaft schon so gut wie immer gab hatte man ein paar Jahrhunderte Zeit einzusehen daß Beten zu einem Gott und betteln für Almosen nicht für sozialen Ausgleich sorgt – ja die soziale Sicherung war nicht einmal die Idee der Kirchen, auch wenn sie schon 2000 JahreZeit dazu gehabt hätten und an sich die dazu passende Einstellung. Seit Jesus jedenfalls. Oder nicht?
So hat man mir als Kind die “soziale Marktwirtschaft” erklärt.
Nun beobachten wir aber ganz etwas Anderes: 60% des Vermögens liegt in den Händen der 10% Reichsten. In den USA ist es noch extremer, und die Unterschiede sind so hoch daß die Vorstellungskraft versagt. Zwischen einer Million und einer Milliarde fühlen wir vermutlich keinen Unterschied mehr, oder er ist uns ausgeredet worden.
Waren diese Reichsten so viel klüger, so viel fleißiger als der Durschschnitt? Um nur eine Million mit ehrlicher Arbeit auf die Seite zu legen, muß man 83 Jahre lang 1000 EUR pro Monat zur Seite legen. Wer um Himmels willen schafft das?
Es muß also andere Geldquellen geben als die eigene Arbeit.
Die erste Vermutung wäre natürlich: Betrug, Kriminalität, Drogenhandel. Aber haben wir nicht den Eindruck, daß Kriminalität zwar eine Rolle spielt, aber letztendlich immer wieder eingedämmt wurde? Wir werden nicht oft auf der Straße ausgeraubt, bedroht, erpresst, – unser Staat schützt uns da bisher recht gut – in Europa.
Und die Aldi-Brüder sind natürlich keine Drogenbarone.
Woher haben sie ihre Milliarden?
Sie hatten eine gute Idee in dem Sinne, daß sie erfolgreich damit waren Preise von Produkten des täglichen Bedarfs durch Großeinkauf und schmucklosen, wie man sieht effizienten Verkauf zu senken und dennoch über die schiere Masse Milliarden umzusetzen.
Man kann davon ausgehen, daß das allen dient.
Der Rechtum der Aldi-Brüder ruht aber gleichzeitig auch daher, daß sie eine Art Monopol geschaffen haben – nicht unbedingt auf Käuferseite, es gibt ja Konkurrenz – aber auf seiten ihres Einkaufs. Durch ihre schiere Marktmacht können sie bei großen wie bei kleinen Lieferanten die Preise niedrig halten, Lieferanten gegeneinander ausspielen.
Und ein Problem scheint bei den Monopolen zu liegen: Wenn jemandem die Hälfte der Häuser einer Stadt gehören, kann er die Miete diktieren. Wenn jemandem die Telefonkabel gehören, kann er die Kommunikationspreise diktieren. Wem die Bahngleise gehören, der kann Transportpreise für Menschen ohne Auto diktieren.
Hier überleben Reste von Diktatur mitten in einer Demokratie. Aber es geht noch weiter:
Ironischerweise haben wir in der Vergangenheit festgestellt, daß wenn sich der Staat um Monopole kümmert (Bahn, Post, Telekommunikation, vielleicht auch Brücken- und Straßenbau und deren Instandhaltung) es nicht besonders effizient zugeht. Warum, das wäre eigentlich ein Thema, welches eine eingehende Analyse wert wäre. Anstatt aber die Ursachen zu erforschen und zu beheben, war das Patentrezept lange Zeit die Privatisierung: Man glaubt daß eine private Firma effizienter wirtschaftet. Nur geschieht das in der Regel zu einem hohen Preis: Privatisierung bedeutet immer auch, daß der Profit (der ja bei der Privatisierung eines Monopols garantiert anfällt – die Kunden haben keine Wahl) nicht mehr dem Staat zugutekommt. Der Geldstaubsauger wird angesetzt.
Wenn dieser Profit nun den Firmen zugutekäme, die dann in Folge bessere Produkte herstellt, wäre vielleicht nicht einmal etwas dagegen zu sagen, so ist es aber nicht. Nun kümmern wir uns mal um die Geldanleger hinter den Firmen.
Da gibt es zunächst Geldanleger an der Börse. Sie machen machmal gute Gewinne, manchmal verschwindet das Geld einfach aufrgund unternehmerischen Pechs oder aufgrund von Fehlentscheidungen. Internationale Verwerfungen spielen hier natürlich auch eine Rolle. Die Akteuere an der Börse übernehmen auch oft große und extreme Risiken und man könnte ihnen zugestehen daß sie dafür außerordentlich belohnt werden – morgen kann das Geld wieder weg sein.
Wenn also die Spekulanten an der Börse mit eigenem Geld spekulieren würden, dürfte eigentlich niemand was dagegen haben – immer sofern der Staat Rahmenbedingungen der Fairness sicherstellt. Und da müssen auch immer mal Regeln angepasst werden.
Das größte Problem beginnt aber mit den Banken.
Banken sind dazu da, Geld zu verwalten das wir sparen, so wurde uns gesagt, weshalb sehr viele Banken auch heute noch “Sparkassen” heissen.
Wenn es keine Inflation gäbe, würden diese “Sparkassen” auch ihren Job gut machen können – Geld für später oder für schlechte Zeiten aufbewahren: Die Menge und (ohne Inflation) der Wert des Geldes bliebe bis zum Abheben gleich, eine faire Sache.
Allein es ist nicht so, – die Inflation ist, wenn auch niedrig, immer da. Warum ist das so?
Soweit ich weiß bewertet jede Theorie des Wirtschaftens die Inflation als etwas zu Vermeidendes – sorgt sie doch für ein exponentielles Wachstum der Preise, denn mit den Preisen müssen die Löhne steigern und damit wieder die Preise…
Die Tatsache daß es Inflation dennoch gibt sorgt dafür daß die Banken gefordert sind, einen positiven Zins anzubieten, der mindestens gleich, besser höher ist als die Inflation. Man sagt, sonst würden die Sparer ihr Geld daheim in den Strumpf stecken.
Aber warum wäre das schlecht?
Zum einen gibt es ganz praktisch überhaupt nicht die Menge an Bargeld. Nur ein paar Prozent des Geldumlaufs geschieht mit Bargeld. Aber man könnte Bargeld drucken.
Je mehr Geld der Staat aber in Umlauf bringt, umso riskanter wird die Zukunft: Geld wird irgendwann abgehoben, und wenn alle gleichzeitig abheben, wären da genug Werte vorhanden, in die man das Geld umtauschen könnte? Gibt es, wenn wir alt sind, überhaut genug Hände, die uns pflegen können? Stehen unsere Häuser lang genug oder werden wir sie vor Ablauf ihrer Lebensdauer abreißen weil die Heizkosten zu hoch sind?
Bis 1929 (?) wäre die Antwort ja gewesen: Es gab für jede ausgegebene Mark oder Dollar eine Goldreserve, die entstand so: Ein Staat druckt Geld, und weil es alle als Schmiermittel des Handels haben wollen, bezahlen sie sogar mit Gold, wenn der Staat das so festlegt. Das Gold landet in Speichern des Staates, die man sich so vorstellen darf wie bei Dagobert Duck. Im Krisenfall kann man das Geld wieder gegen Gold zurücktauschen. Mit dem Gold in petto konnten die Staaten auch immer wieder das Finanzsystem austarieren.
Aber eines Tages hörte man damit auf: Die Staaten druckten nur noch Geld und gaben es ohne Gegenwert heraus. Das stimmt nicht ganz: Staaten geben Geld in Form von Krediten in Umlauf: Dafür daß ich Dir heute 100 EUR gebe zahlst Du mir in 2 Jahren 110 EUR zurück. Oder, bei gleichem Zinssatz von 5%, in 30 Jahren 432 EUR. Da wird uns schon etwas schwindelig, denn wie soll man aus 100 EUR so einfach 432 EUR machen? Andererseits sind 30 Jahre eine relativ lange Zeit. Wir denken also: Das werden wir schon schaffen.
Und die Rechnung ging in der Nachkriegszeit auf. Hinzu kam, wir holten Einwanderer ins Land, also Menschen die von ihrem Herkunftsland ausgebildet wurden haben in unserem Land gearbeitet – ohne daß wir für ihre Erziehung / Schule bezahlen mußten.
Wenn man bei Null anfängt sind auch 5% Wachstum viel eher möglich als wenn wir schon auf einem hohen Lohn- und Preisniveau angekommen sind.
Das System der Geldeinspeisung über Kredite kann also nur funktionieren, solange es das “Wachstum” gibt die allen Kreditnehmern das Zurückzahlen plus dem Dreifachen an Zins (über 30 Jahre) ermöglicht. Es hat eine Weile ganz gut funktioniert.
Wenn ein Baum wächst, hat er als Sprößling die größten Wachstumsraten, mit 10 Jahren schon viel weniger und mit 50 Jahren wächst er fast nur noch in die Breite – aber irgendwann stirbt dieser Baum. Und auf dieses Sterben ist unsere Finanzwirtschaft nicht eingerichtet, so wie wir unser eigenes Sterben verdrängen, wir glauben wir haben eine zweite Erde samt Erdöl im Kofferraum und viele glauben nach dem Tod würde die Party auch irgendwie weitergehen. Obwohl noch keiner eine Einladung gesehen hat.
Das sind die Kollateralschäden selbst eines gemäßigten christlichen Glaubens. Alles wird verziehen von dem großen Papa da oben oder dem alten Mann in Rom.
Stellen wir drei einfache Fälle nebeneinander:
Wir kaufen eine Stiege Tomaten und stellen sie auf den Küchentisch, haben keine Idee was damit anstellen – die Tomaten verschimmeln nach drei Wochen, holländische vielleicht erst nach sechs. Das Geld, der Wert ist weg. Wohin er gegangen ist? Interessante Frage, der Wert scheint “gestorben” zu sein. Wir müssen noch für den Müll bezahlen.
Dasselbe passiert mit der Investition in ein Haus: 30 Jahre nichts dran gemacht, und es verfällt. Wohin ist der Wert gegangen? Immerhin haben vielleicht 30 Jahre lang Menschen drin gewohnt und Miete gezahlt.
[Fortsetzung folgt!]
Andreas Delleske am 29. Januar 2009, 05:58