Erste Idee: Zeit ersetzt Geld

Vor vielen Jahren hatte ich mal die “Eingebung”:

Wann immer wir Geld für eine Ware oder Dienstleistung zahlen, steht am anderen Ende der Transaktion immer ein Mensch (wie beim Schuhputzer) oder mehrere Menschen (wie beim Restaurant), ganz viele Menschen an einem Förderband und beim Autohändler (beim Kauf eines Autos). Aber auch wenn ich ein Liter Erdöl kaufe, geht am Anfang der Förderkette des Öls kein einziger Cent dieses Geldes durch einen großen Schlitz in die Erde zum Dank, sondern am Wegesrand dieser Produktionskette wird immer nur Geld für Arbeit gezahlt: Die Arbeit des Erschließens des Ölfelds, Installation der Pumpen, Transportfahrzeuge werden von Menschen gesteuert, die Raffinerie usw. bis zum Mensch an der Tankstelle. Auch der Mensch der die Umweltschädigungen beheben muß wird durch meine Kaufentscheidung mehr oder weniger tätig, vielleicht nicht sofort aber bald. Ich bezahle ihn nur nicht direkt.

Zahlungen an Versicherungen sind im Grunde Zahlungen an solidarische Geld- alias Arbeitsspeicher: Wenns mir mal schlecht geht, erhalte ich Geld und kann Arbeistkraft bezahlen um mich aus der mißlichen Situation hinauszumanövrieren.

Es kann natürlich sein und kommt oft vor daß wir “zuviel” Geld bezahlen, daß das was wir real bezahlen eigentlich noch vielmehr mehr Hände und Köpfe zum Tätigsein, Arbeiten bringen könnte, weil zum Beispiel Spekulation mitspielt (wie beim Öl, aber auch bei der Wohnungsmiete).

Würden wir aber allein die Arbeit betrachten könnten wir sehr schnell auf sehr faire Art herausfinden, was die Dinge wirklich wert sind.

In unser heutigen monetären Tausch- und Spekulationswirtschaft finden wir es nicht befremdlich, wenn einem Menschen Milliarden Euro gehören und dem anderen, obwohl er vielleicht auch 40 Stunden in der Woche arbeitet, fast gar nichts.

Würden wir probehalber mal Geld in Arbeit zurückrechnen (bei einem mittleren Arbeitslohn von 40 EUR etwa, inkl. Steuern und allem Drum und Dran) kämen wir darauf, daß ein Aldibruder besipielsweise soviel Geld hat, daß er (Börsencrashs mögen zwar etwas dran ändern) sagenhafte zehn Milliarden Stunden für sich arbeiten lassen könnte.

Nur mal angenommen, ein Mensch könnte 12 Stunden am Tag für andere arbeiten und dies vom Alter von 20 bis zum angenommenen Tode vpn 80 Jahren, kämen wir auf 700.800 Stunden theoretisch möglich maximal akkumulierbares Arbeitskapital von 262.800 Stunden.

Herr Aldi hat also kraft seines Reichtums die Berechtigung, 38.050 Menschen für sich arbeiten zu lassen. (Da er aber vielleicht nur noch 20 Jahre leben wird müßte diese Arbeit natürlich von dreimal sovielen Menschen ausgeführt werden, um das Konto wieder auf Null zu stellen).

Die interessanteste Frage: Wer räumt ihm dieses Recht ein und auf wessen Grundlage?

Ein Sinn unseres heutigen Geldsystems ist der Tausch von Ware gegen Ware, Ware gegen Dienstleistung. Ich sehe nicht warum das vor dem Hintergrund der prinzipiellen Umrechenbarkeit von Ware in Arbeitsstunde nicht auch durch den Austausch von Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde möglich sein soll: Es ist vielleicht richtig daß die Arbeit eines Arztes mehr wert sein kann als die Arbeit eines Tellerwäschers (oder Angestellter der öffentlichen Dienstes?), aber wenn er in unserem heutigen System so sehr viel mehr verdient, bezahlt er ja auch viel mehr Steuern – wir versuchen die Unwuchten unseres Geldsystems ja jetzt schon auszugleichen.

Ein anderer Sinn unseres Geldsystems ist die Akkumulation von Arbeit – damit man von anderen gepflegt und ernährt wird – sollte man mal nicht mehr arbeiten können. Das wäre mit dem Zeitkonto auch zu lösen. Wenn ich 1000 Stunden “auf die Bank” gearbeitet habe, warum soll ich nciht eines Tages (Arbeit kennt keine Inflation, wenn die Ausführungsqualität der Arbeit gleich bleibt)

Und wir hätten jederzeit einen Überblick: Wenn jemand vorgibt mehr als 300.000 Stunden gearbeitet zu haben, kann was nicht stimmen. Es könnte wie auch im realen Leben Menschen mit dauerhaft negativem Zeitkonto geben: Kranke und psychisch Labile und Menschen die einfach nicht arbeiten möchten (warum auch immer).

Jeder trüge sein Arbeitskonto vielleicht nicht öffentlich mit sich herum, es wäre aber auch keine Schande es bei Bedarf nachsehen zu können.

Wenn also Leute wenig arbeiten würden und aber auch wenig Hilfe von anderen benötigten (vielleicht nur Essen, Miete, ein bißchen Energie und Kultur, Bildungsleistungen) wäre das ja mit dem Arbeitsstundenparadigma prima zu machen!

Ob die Musse Früchte trägt (ein Buch, kulturelle und Bildungsleistungen für andere) könnte man offen lassen.

Und wer wirklich ganz viel gearbeitet hat, dürfte sich auch – warum nicht – von drei Menschen gleichzeitig bis zum Lebensende betreuen lassen. Mehr Luxus wird aber nicht zu erreichen sein, und Hand aufs Herz: wer braucht das?

Wer stirbt, dessen Arbeitszeitkonto erlischt.

Vielleicht erhält auch jeder Erdenbürger bei seiner Geburt in etwa soviele Arbeitsstunden auf seinem Zeitkonto, wie nötig sind, um ihn zu ernähren, beherbergen, bilden bis er mit 20 Jahren selbst anfangen kann das Konto zu mehren?

Vielleicht würden diese beim Start gegebenen Arbeitsstunden ab dem Alter von 20 wieder abgebucht, verteilt auf die restliche Lebenserwartung?

(Fortsetzung folgt)…


Andreas Delleske am 27. November 2009, 03:08


Testbetrieb der von
Stefan Auchter und mir entwickelten, neuen Schliessanlage im Haus 037