Autoindustrie - die verpasste Chance
Noch nie war Jammern der Großkonzerne und Banken so “en vogue” – und es werden fast alle Wünsche erfüllt. Hätte man nicht besser mit den Milliarden die gerade gedruckt und verheizt werden einfach Sozialleistungen für die zu erwartenden und unvermeidlichen Arbeitslosen bezahlen können?
Menschen und Natur sind das einzige was sich zu retten lohnt.
Ein Sozialhilfeempfänger, ein Arbeitsloser mehr kostet vielleicht alles in allem (Miete, Hilfe zum Lebensunterhalt) 800 EUR pro Monat. Für 100 Milliarden (in etwa die Höhe der aktuellen “Konjunkturpakete”) hätte man also 3 Millionen zusätzliche Arbeitslose über 3 Jahre ernähren können. Das sollte doch reichen bis die Krise vorbei ist? Bei der Autoindustrie allein sind inkl. Zulieferern ca. 1 Millionen Menschen beschäftigt
Statt die ganze Mischpoke aus Spekulanten, die Superreichen samt Banken die Milliarden durch weitere Kredite mit gedrucktem Papiergeld in den Hintern zu blasen (und ich rede noch nicht mal über die Managerkaste) hätte man in aller Ruhe zuschauen können wie das alte “System” vorübergehend zusammenbricht und gespannt sein was danach kommt.
Es wären nur die schlecht weggekommen die das Geld vorher gescheffelt hätten. Diese Menschen wären aber eine winzige Minderheit – und sie würden es einfach mal aushalten müssen, kaum besser gestellt zu sein als jeder andere.
Wettbewerb der Ideen statt Macht, Dummheit und Geld
Dann endlich hätten wir die Chance daß sich gute Ideen durchsetzen und nicht Macht und Geld. Klar wären dann viel mehr Firmen vorübergehend zahlungsunfähig. Na und? Wer ein gutes Produkt, gut gewirtschaftet hat kommt immer an Geld. Das Wichtigste ist der soziale Friede, denn ohne ihn währte selbst das Tausendjährige Reich nur 12 furchtbare Jahre.
Die Chance in der Krise
Es ist ja nicht gesagt daß sich mit dieser Bezahlung die 3 Millionen Arbeitslosen (unter denen bestimmt viele motivierte, gute und leistungsfähige Leute sein werden) während der Krise nicht auch ein bißchen nützlich machen? Beim Aufbau neuer Firmen und Ideen? Für Altenpflege? Soziale Aufgaben, bis zum Ende der Krise vielleicht – dann hätten wir die Sozialausgaben auch für eine Zwischenzeit reduziert. Man könnte Drogenabhängigen beim Entzug helfen, allgemein arme und “gescheiterte” Menschen wieder etwas zurück in die Gesellschaft helfen. Und somit nebenbei die Krankenkosten etwas nachhaltig reduzieren, vielleicht sogar Kriminalität verhindern helfen.
Und man hätte allein dadurch die Arbeitsplätze die mit dem absolut notwendigen Konsum, Gesundheitswesen, Erziehung beschäftigt wären geschützt: Die wirklich wichtigen Berufe. Ohne Maschinenbau kann man ein paar Jahre auskommen, wenn aber Menschen aus Not und Wut zu Verbrechern und Gewalttätern werden ist alles für lange Zeit vorbei. Dann regieren die Glatzen. Stattdessen sorgt man – wie immer – dafür daß die Banken und dahinter die Reichen und Superreichen sich an den Steuerzahlern gesundstoßen.
Niemand wird die Schulden die jetzt gemacht werden jemals zurückzahlen können
Und ein Ende der Schulden, Steuergeschenke usw. ist nicht in Sicht.
Was für Idioten regieren uns eigentlich? Warum wagt keiner eine so naheliegende Idee wie die folgende auch nur ansprechen?
Es geht zunächst ums Elektroauto
Es ist jedem Techniker klar, daß das einzige Problem des Elektroautos nicht die Elektromotoren sind (die lassen sich weil sie auch Bremsenergie verlustarm speichern sollen sogar in die Räder integrieren) – sondern die Batterien . Heute sind die Batterien, die uns so weiterleben lassen als könnten wir in 5 Minuten tanken und dann 1000 km weiter fahren nicht erhältlich, die es gibt sind teuer und vor allem – sie nutzen sich bei jedem Füllvorgang ab, was jedesmal 10-20 EUR kosten würde.
Die Strommenge ist nicht das Problem, um die Republik elektromobil zu bekommen müßte man nur 10-15% mehr Strom produzieren – (einiges mehr als diese Summe kann man übrigens auf wirtschaftliche Weise einsparen ) – übrigens nicht zuletzt mithilfe einer anderen Autoindustrie, und genau darum geht es hier.
Die richtigen Batterien – noch nicht in Sicht
Weil wir an Tankstellen nicht warten können bis die Batterien in 4 Stunden geladen und dann kochend heiß sind, bräuchten wir ein Pfand-Wechselsystem für Batterien. Da eine Batterie pro Auto 10-15000 EUR kosten wird, wäre es eine gute Frage wieviel Pfand so eine Batterie kosten soll. Oder steigen wir um auf Car-Sharing? Wo Autoverleih und Batterieladen automatisch geregelt werden, man hätte immer ein vollgetanktes Auto mit dem man gut 250 km weit fahren könnte.
Aber es ist auch klar daß die Autoindustrie kein Carsharing will, sie würden viel weniger Autos verkaufen. Und sie haben keine Phantasie sich vorzustellen was sie sonst herstellen könnten, die Armen.
Aber: Die Autoindustrie hätte in zwei-drei Schritten nicht nur den Kopf aus der Schlinge gezogen, sondern auch der Umwelt und den Verbrauchern geholfen.
Ein sinnvoller Zwischenschritt zum Elektromobil sind die Hybridautos :
Ein kleines Blockheizkraftwerk im Auto läuft ständig, mit vergleichsweise idealem Wirkungsgrad. Vorbei die Zeit des leerlaufenden Motors. Das kleine BHKW lädt also während der Fahrt mehr oder weniger ständig eine viel kleinere Batterie als beim reinen Elektroauto oder besser noch einen Kondensator, der die besagte Elektromotoren versorgt welche heute schon erhältlich sind.
Auto und Blockheizkraftwerke – was liegt näher?
Dazu müßte die Autoindustrie nur Elektromotoren und deren Elektronik optimieren (da sehe ich kein Problem) und viel kleinere Verbrennungsmotoren bauen mit langer Lebensdauer – für die Klein-BHKWs. Und nun die simple Idee: Mit dieser Kompetenz könnten die Autohersteller dann auch stationäre BHKWs entwickeln und in Masse verkaufen. Das Gute wäre daß die Autoindustrie genau das benötigte Know-How für BHKWs bereits hat – und selbst wenn man immer noch Erdgas oder Öl verfeuert – die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme ist, wenn die Wärme auch verbraucht wird grob doppelt so effizient wie unsere verschwenderische Stromerzeugung in den Großkraftwerken.
Stationäre BHKW könnte man – ferngesteuert oder noch besser von einem ständig nach Angebot und Nachfrage sich ändernden momentanen Strompreis für Produktion und Verbrauch – nebenbei auch zur Ausregelung von Lastschwankungen im Netz verwenden und somit ganz gut Windenergieschwankungen kompensieren.
Monopole brechen
Allerdings müßten für diesen Durchbruch die Monopole der Stromerzeugung gebrochen werden – oder mindestens das Netz von der Produktion entkoppelt, was die EU eigentlisch schon entschieden hat und durchsetzen wird.
Aber das wäre ein Klacks für die gesammelte Macht der Autoindustrie – sie könnten die Stromnetze oder die Produktion in kurzer Zeit übernehmen:
Die Chancen des Umbaus – ein kleines Rechenbeispiel
Die Motoren die heute hergestellt werden leisten ca. 50 kW mechanische d.h. bei BHKW elektrische Leistung. Jedes Jahr werden allein in Deutschland bisher 5,7 Millionen (2007) Automotoren hergestellt. Das macht wenn die Motoren alle stationär betrieben würden 285 Gigawatt Leistung aus! In einem Jahr Dauerbetrieb (ok gehen wir von 80% aus) hätten wir fast 2000 Terawattstunden Strom hergestellt – wohlgemerkt mit der Produktion an Motoren eines einziges Jahres!
Das ist fast der Strombedarf von ganz Europa (2.400 TWh).
Ist es nicht pervers, so eine Chance nicht zu nutzen?
Einverstanden, die Motoren wären zu groß für die meisten Häuser, man müßte deutlich kleinere herstellen – weil einfach nicht so viel Wärme benötigt wird. Aber teilen wir durch 10 – dann hätten wir in einem Jahr Fabrikation bei gleicher Stückzahl schon 200 TWh Strom ersetzt. Deutschland verbraucht im Moment etwa 600 TWh/a Strom, das wäre in 3 Jahren möglich.
Übrigens wäre die dabei anfallende Wärme von BHKWs mit 600 TWh Jahresleistung ziemlich genau der Brutto-Wärmebedarf Deutschlands: 1400 TWh.
Energiewende starten – in etwa drei Jahren!
Drei Jahre lang würden vielleicht kaum Autos gebaut, aber wir würden den ökologischen Umbau in 3 Jahren gestartet haben, – danach lösen im wesentlichen Effizienzsteigerungen, die Windkraft und Nullenergiehäuser den Rest der Energieprobleme – das braucht leider länger und ist mit steigenden Energiepreisen ohnehin auf dem Weg.
Nachtrag: VW und Lichtblick habens wenigstens begriffen:
Tagesschau-Bericht über das Zuhausekraftwerk
Andreas Delleske am 20. Juni 2009, 01:46